Direkt zum Inhalt

Geschlecht und andere diversitätsbezogene Faktoren in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Krankenhausversorgung

Bild-Großansicht

Akronym: PSY-DIVER

Träger/Förderer

Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA)

Projektleitung/Konsortialführung

Prof. Dr. med. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank

Kooperationspartner

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)

Projektteam

Dr. med. Sönke Johann Peters (Operative Projektleitung)
Svenja Kratzke (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)
Marwan Ahmed (Data Engineer)
Dr. Ana Staninska (Data Scientist)
Altina Aliu (Wissenschaftliche Hilfskraft)
Marisa Flaspöler (Wissenschaftliche Hilfskraft)
Prof. Dr. Carolin Schuster (Fachliche Direktorin Sparte Bildung)
Prof. Dr. med. Jürgen Zielasek (Wissenschaftlicher Koordinator)

Psychische Erkrankungen treffen viele Menschen, jedoch nicht alle auf die gleiche Weise. Geschlecht, Herkunft, soziale Lage oder Wohnsituation beeinflussen, wie Betroffene erkranken, welche Therapien sie erhalten und wie gut diese wirken. Trotzdem werden diese Unterschiede bislang kaum systematisch in die psychiatrische Versorgung einbezogen.

Das Projekt PSY-DIVER wird durch den Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesauschuss (G-BA) gefördert und untersucht, wie diese und weitere diversitätsbezogene Faktoren in Zukunft besser berücksichtigt werden können. Dafür werden Daten aus dem LVR-Klinikverbund ausgewertet, der jährlich rund 50.000 stationäre und 170.000 ambulante Patient*innen mit psychischen Erkrankungen betreut. Zusätzlich werden Patient*innen, Angehörige und Fachkräfte befragt, um ihre Erfahrungen und Bedürfnisse zu verstehen. Das Projekt integriert Elemente der partizipativen Forschung, bei der Betroffene aktiv einbezogen werden. Nach der Datenauswertung ist das Ziel die gemeinsame Entwicklung von Handlungsempfehlungen für eine geschlechts- und diversitätssensible Gestaltung der psychiatrischen Versorgung.

Ziele

1) Entwicklung eines Verfahrens, mit dem sich diversitätsrelevante Informationen in Routinedaten und klinischen Dokumentationen zuverlässig erkennen lassen – auch nutzbar für zukünftige Forschungsprojekte

2) Erkennen von geschlechts- und diversitätsspezifischen Unterschieden in der
Versorgung psychisch erkrankter Menschen:
a) in der Verschreibung und Überwachung von Psychopharmaka, einschließlich möglicher Risiken wie Polypharmazie oder unzureichender Nebenwirkungsdokumentation.
b) im Angebot und in der Nutzung von Psychotherapie und psychosozialen Therapien.
c) in der Wirksamkeit der Behandlungen, unter besonderer Berücksichtigung von Wechselwirkungen verschiedener Diversitätsmerkmale (intersektionaler Ansatz).

3) Entwicklung von Handlungsempfehlungen, um stationäre und ambulante psychiatrische Versorgung diversitätssensibel und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.

Hintergrund

In der psychiatrischen Krankenhausversorgung spielen Pharmakotherapie, Psychotherapie und psychosoziale Therapien eine zentrale Rolle. Wie Patient*innen diese Angebote nutzen und wie wirksam sie sind, hängt nicht nur von der Erkrankung ab, sondern auch von geschlechts- und diversitätsbezogenen Faktoren. Diese können Barrieren schaffen, etwa durch Sprachprobleme, kulturelle Unterschiede, Vorbehalte gegenüber Therapien oder soziale Benachteiligungen. Auch körperliche Unterschiede können beeinflussen, wie gut Medikamente vertragen werden. Bisher fehlen jedoch Studien, die die Inanspruchnahme und Wirksamkeit von Therapien in psychiatrischen Krankenhäusern unter Berücksichtigung von Geschlecht, Alter, Herkunft oder sozialen Faktoren systematisch untersuchen.
Gleichzeitig werden diversitätsbezogene Aspekte zunehmend wichtiger: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen geschlechtsspezifische Einflussfaktoren auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Therapieverfahren. Demografische und soziokulturelle Veränderungen führen zu der Zunahme älterer Betroffener und Menschen mit Fluchterfahrung und/oder Migrationshintergrund. Ebenso steigt die Zahl an Menschen mit zunehmend prekären Lebensbedingungen wie Wohnungslosigkeit. Diese Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit einer bedarfsgerechten und diversitätssensiblen Versorgung.

Studiendesign und Zielpopulation

PSY-DIVER nutzt ein Mixed-Methods-Design. Dabei werden die Auswertungen großer Datenmengen und persönlicher Befragungen kombiniert. Das Studiendesign folgt dabei einem partizipativ-generativen Ansatz und zieht Betroffene von psychiatrischen Erkrankungen, aber auch Angehörige von Betroffenen und klinische Fachkräfte in Kernentscheidungsbereiche des Projekts mit ein. Mithilfe von künstlicher Intelligenz werden aus den digitalen Krankenakten der neun psychiatrischen Fachklinken des LVR zusätzliche Informationen gewonnen. Gleichzeitig fließen über qualitative Interviews und Fragebögen persönliche Sichtweisen ein. In einem strukturierten Beteiligungsprozess werden die Ergebnisse schließlich gemeinsam mit Betroffenen und Fachleuten bewertet und Handlungsempfehlungen erarbeitet.

Kontaktaufnahme

Bei Fragen zum PSY-DIVER Projekt erreichen Sie uns unter PSY-DIVER@lvr.de

Förderer / Kooperationspartner

Kontakt

LVR-Institut für Versorgungsforschung
c/o LVR-Klinik Köln
Wilhelm-Griesinger-Straße 23
51109 Köln
IVF@lvr.de

LVR-Institut für Forschung und Bildung (IFuB) / Sparte Bildung
Kölner Str. 82 / 30
40764 Langenfeld
astrid.hessel@lvr.de